Bei der genauen Untersuchung von Ötzi, der ältesten bekannten natürlichen menschlichen Mumie Europas (ca. 3200 v. Chr.), wurden zahlreiche blauschwarze Tätowierungsgruppen auf seiner Haut entdeckt. Da einige der Tätowierungen an typischen Akupunkturpunkten liegen, wird eine therapeutische Funktion für wahrscheinlich gehalten.
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"Die Natur heilt, der Arzt hilft ihr nur"
Hippokrates von Kos
Der berühmteste Arzt der Antike war Hippokrates (ca. 460–370 v. Chr.). Er studierte Medizin in Ägypten. Man weiß, dass er dort unter anderem Techniken zur Behandlung mit Hilfe der Ohrmuschel erlernte. Nach seiner Rückkehr soll er damit infertile Männer, „die nicht genug Samenflüssigkeit hatten”, behandelt haben. Zu diesem Zweck schnitt er eine oder mehrere Venen hinter dem Ohr seiner Patienten auf. Über seine Erfolgsquote liegen uns keine Informationen vor.
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Zu allen Zeiten steckten Piraten Kindern einen Ohrring, um ihre Sehschärfe zu erhöhen. Inzwischen weiß man, dass sie dabei den entsprechenden "Augen-Punkt" bei der modernen Ohrakupunktur durchbohrten.


Im Mittelalter führten Kurschmiede (später Hufschmiede) mitunter auch ärztliche Tätigkeiten durch. Um Menschen von Zahn- oder Gesichtsschmerzen zu erlösen, durchbohrten sie einen bestimmten Punkt der Ohrmuschel der Betroffenen mit einer glühenden Metallspitze.
Im 16. Jahrhundert war es bei einigen spanischen Ärzten üblich, einen bestimmten Punkt der Ohrmuschel zu kauterisieren, um Patienten von Ischiasschmerzen zu erlösen.
Spuren solcher therapeutischen Kauterisationen finden sich in Europa bis heute. Lesen Sie über die allererste Erfahrung von Paul Nogier im Jahr 1951.
Der Garten der Lüste - Jerôme Bosch
(Hieronymus) Jerôme Bosch (1450 - 1516) war ein niederländischer Maler der Spätgotik bzw. Renaissance. Er ist berühmt für seine fantastischen, oft rätselhaften Darstellungen religiöser Themen. Er schuf Triptychen wie "Der Garten der Lüste" (Bild oben) .
Bild unten: aus „Garten der Lüste” - Zoom auf die Ohrmuscheln.
Der lange Pfeil durchbohrt die „Zone der Lustorgane”.
Ein Dämon sticht eine Nadel in den sogenannten „Jerome-Punkt”. Dieser ist für die Dämpfung sexueller Überenergie bekannt.
Beide Punkte wurden von Paul Nogier entdeckt, bzw. neu entdeckt.

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Die Körperakupunktur ist seit Tausenden von Jahren fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Ohrpunkte finden sich hingegen nur selten in alten chinesischen Texten. Die wenigen bekannten Punkte an der Ohrmuschel waren damals Teil der Körperakupunktur.
Das heutige Wissen über die Somatotopie des Ohres existierte zu dieser Zeit also noch nicht.
Inzwischen hat die Nogier-Schule zahlreiche Ohrpunkte an die chinesischen Akupunkteure weitergegeben.


Dr. Paul Nogier (1908-1996)
Die Ohr-Akupunktur stammt ursprünglich aus Frankreich. Sie wurde von dem Lyoner Arzt Paul Nogier (1908–1996) entwickelt.
Nach dem Abitur studierte Nogier zunächst drei Jahre lang Ingenieurwesen an der École Centrale de Lyon. Anschließend studierte er Medizin, Homöopathie und Chirotherapie. Er arbeitete als Allgemeinmediziner in Lyon und studierte später die chinesische Akupunktur.
Nogier machte im Jahr 1951 eine erste einschneidende Erfahrung: Bei der Untersuchung von zwei Patienten, die erfolgreich von einer Heilerin aus Marseille wegen eines Ischias behandelt worden waren, fand er eine winzige Narbe an deren Ohrmuschel. Diese Narben waren das Ergebnis einer Kauterisation, also einer Verbrennung, eines speziellen Punktes des Ohres. Es schien, als sei die kleine Verbrennung eines einzigen Punktes der Ohrmuschel in der Lage gewesen, die beiden Männer dauerhaft von ihrem Ischias zu befreien.
Nogier war von der Geschichte sehr beeindruckt und begann umgehend, dieses Phänomen bei all seinen Patienten empirisch zu untersuchen. In kurzer Zeit gelang es ihm, die zugrunde liegenden Prinzipien dieser Behandlungsmethode zu verstehen, und er begann, diese Technik in seiner Arztpraxis in Lyon anzuwenden. Aufgrund der positiven Ergebnisse seiner ersten Versuche setzte er seine Forschungen fort und machte nach und nach neue Entdeckungen. Bald verstand er, dass die gesamte Ohroberfläche eine Reflexzone darstellt, auf die alle Organe des Körpers reagieren.
Im Jahr 1965 gründete er die GLEM (Lyoner Gruppe für Medizinische Studien).
Dank der unermüdlichen Arbeit und des Genies von Paul Nogier sowie der jahrzehntelangen Pionierarbeit eines Netzwerks von Kollegen ist die Aurikulotherapie heute universell einsetzbar und stellt einen Meilenstein in der Medizin dar.
Im Jahr 1990 trafen sich 40 Experten aus aller Welt in Lyon. Unter ihnen befand sich auch der damalige Generaldirektor der WHO. Dieser erklärte die Aurikulotherapie zu einer offiziell anerkannten Therapiemethode.
Nach dem Tod von Paul Nogier übernahm sein Sohn Raphael Nogier den Stab. Dieser praktiziert bis heute exklusiv die Aurikulotherapie in seiner Praxis in Lyon. Er ist derzeit Präsident der GLEM, die weltweit als Referenz auf dem Gebiet der Aurikulotherapie gilt.

Dr. Raphael Nogier
Dr. Raphael Nogier ist ein weltweit anerkannter Experte für Ohrakupunktur bzw. Aurikulotherapie und der Sohn von Paul Nogier, mit dem er eng zusammenarbeitete.
Raphael Nogier hat der Aurikulotherapie insbesondere im Bereich der Lateralitätsstörungen und der Nahrungsmittelintoleranz neue, aufregende Impulse gegeben.
Dr Nogier ist ein absoluter Star unter den Dozenten für Aurikulomedizin. Bisher war er in 25 Ländern als Dozent tätig. Er ist Präsident der Groupe Lyonnais d’Études Médicales (GLEM, Lyoner Gruppe für Medizinische Studien).
Darüber hinaus hat er zahlreiche Bücher und Artikel zum Thema Ohrakupunktur (Aurikulotherapie) geschrieben und ist zudem Autor von zwei Romanen.

